Stop Motion in der Werbung:
Wir reiten wild von Bild zu Bild

In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit der Stop-Motion in der Werbung – sicherlich eine der frühesten Animationstechniken überhaupt. Wir schauen uns an, wo sie herkommt, was sie ausmacht und wie die Animatoren, etwa in unserem Animationsstudio, speziell diesen einzigartigen Look bis heute gut und sinnvoll für Werbung, Explainer und Produktvideos nutzen.

Mr. Fox stand, offen gesagt, schon etwas zu lange stocksteif am Set herum. Eigentlich sollte das nächste Bild längst aufgenommen sein. Das Catering stand an, doch es ging einfach nicht weiter.

Was das Problem war? Sein Arm. Der musste eigentlich nur nach unten geführt werden. Irgendwie fehlte da wohl noch etwas, jedoch waren sich der Werberegisseur und die Kunden nicht einig, was das genau war.

Mr. Fox kannte das schon. Er war ja nicht das erste Mal bei einem Stop-Motion-Spot dabei. Er stand sehr häufig stundenlang am Set herum und bewegte sich in einem für Füchse sehr langsamen und auch unbequemen Tempo. Er gähnte vorsichtig. Dann dachte er an das Catering, an die knusprigen Hasenpfoten in Rehgeschmeid’ und die bestäubten Gänserippchen. Alles für ihn.

Nein, zu einem Stop-Motion-Animationsspot dieser Größe sagte er bestimmt nicht nein. Niemand verstand es, ihn so zu beglücken wie eine gute Stop-Motion-Werbeproduktion.

Illustration Fucks Stop-Motion

Einzelbildschaltung – das Herz der Stop-Motion-Technik

Stop Motion analog oder computergeneriert? Gut, es ist nicht immer offensichtlich, aber es ist da. Irgendwo gut im Bild versteckt. Der Unterschied liegt in der Einzelbildschaltung – und in dem, was dazwischen am Set oder eben am Computer passiert. Eine flüssige Bewegung über die Einzelbildschaltung zu kreieren, dauert in einem reinen Stop-Motion-Projekt viel länger als in einem computergenerierten Stop-Motion-Film. Die Animatoren führen die jeweilige Bewegung am Set nämlich wirklich millimeterweise per Hand aus. Vorsichtig, akkurat, dass sie später auch organisch wirkt.

Der am Set produzierte Stop-Motion-Film ist quasi das Pendant zum DIY-Movement, das in unserer digitalen Zeit den Menschen wieder zurück zu seinen Ursprüngen, zum Handwerk brachte. Vielleicht ist es ja besonders die unsichtbare Millisekunde perfekter Unvollkommenheit, die uns so an Stop Motion fasziniert.

Filmkamera als Fotokamera

Jede Bewegung einzeln. Ja bitte, mit Gefühl. Schließlich muss mit der Einzelbildschaltung wirklich jede einzelne Bewegung, jedes Zwinkern und jedes Lachen Bild für Bild aufgenommen werden. Kannst du dir vorstellen, wie lange das dauert? Die Filmkamera fungiert dabei als Fotoapparat und schießt ein Bild nach dem anderen. Dazwischen werden die Objekte eben nur minimal verändert. Dann wird davon wieder ein Foto geschossen, wieder verändert, wieder ein Foto, bis die Sequenz abgeschlossen ist.

Diese ganzen Bilder hintereinander ergeben am Ende die fertige Stop-Motion-Werbung. Heute ist es aber auch gut möglich, die Technik am Rechner auszuführen.

Schau mit dem Daumen Kino!

Natürlich kann man mit dem Daumen nicht wirklich Kino schauen. Wer es versucht, kommt sich schnell etwas odd vor. Aber das Daumenkino ist vielen ein Begriff und an ihm demonstriert sich die Stop-Motion-Technik sehr gut.

Die Einzelbilder ergeben beim Daumenkino erst in der Abfolge einen Sinn. Dieser Eindruck stammt daher, weil ein Bild 0,05 Sekunden auf unserer Netzhautoberfläche verweilt und durch den Bildfluss eine Bewegung konstruiert, obwohl es den nicht gibt. Dennoch, 24 oder 25 Filmbilder hintereinander ergeben eine Filmsekunde.

Die Kunst ist es, die Einzelbilder für die Zuschauer angenehm und organisch zu gestalten. In der Regel bedeutet das, die Bewegung, Gesichtsausdruck, Schwenken oder Fahrt ohne einen Bruch im Ablauf kreativ und interessant zu gestalten.

Objekte der Stop Motion

Wer sind denn nun die Protagonisten in einer Stop-Motion-Werbung? Grundsätzlich kann alles genutzt werden. Das geht bei Menschen los und führt uns über Holz- und Knetfiguren zu Dingen des alltäglichen Gebrauchs. Smartphone-Technik, Hosen, Gläser, Bonbons, es gibt kaum etwas, was nicht durch diese Animationstechnik aufregend und einzigartig animiert werden kann.

Der Beginn: Stop Motion im Film

Ohne Georges Méliès, den ersten Filmmagier der Filmgeschichte, gäbe es sicherlich kein Stop Motion – oder sie wäre nur sehr viel später erfunden worden. Méliès erfand die Grundlage – den Stopptrick, indem er mitten in den Dreharbeiten, den Film einfach anhielt, alle Beteiligten vor der Kamera lange starr und ruhig stehen ließ, bis etwa eine weitere Darstellerin in das Bild geschlichen war und erst dann nahm die Kamera ihre Arbeit wieder auf. Das wirkte dann später so, als wäre plötzlich aus dem Nichts ein Geist erschienen oder ein Zaubertrick ausgeführt wurden. Doch nicht nur im erzählenden Film, auch in der Werbung nutzen Stop-Animationsstudios diese Technik.

Stop Motion in der frühen Werbung

Schon recht früh begann die Werbung, Animationen zu nutzen, bspw. in ‚Matches an Appeal‘, der ersten bekannten Stop-Motion-Ad. Dann galt aber ziemlich lange Zeit Animationen-Funkstille. Werbung wurde in erster Linie von Radiosendungen dominiert – dem absoluten Mainstreammedium der damaligen Zeit. In jedem Haushalt stand ein Radio, und die brauchten natürlich auch keine Animationen, wozu auch? Animationen waren zudem ziemlich teuer. Doch was eventuell auch viel wichtiger ist: Neues zu wagen und sich auszuprobieren, davon ließ man in Krisenzeiten lieber die Finger. Konformität galt lange als eine Tugend. Anpassung sicherte einen viel stärker ab.

Erst in den Fünfziger-/Sechziger-Jahren mit der Entdeckung des Teenager-Lifestyles, der Erfindung der Popkultur und der Propagierung der großen Freiheit änderte sich das grundlegend. Zudem löste das Fernsehen das Radio ab. Der Spaß kam langsam wieder zurück und suchte sich neue Ausdrucksmöglichkeiten. Eine einzigartige und vor allem neue war die Stop-Motion-Animation. Das erkennt man etwa an der Stop-Motion-Werbung für ‚NyQuil‘ oder auch an der ‚Chewits‘-Werbung.

Für jemanden, der nur die standardisierten visuellen Mainstream-Techniken gewohnt war, wirkte das in dem Kontext ja nicht nur ungewohnt, sondern vom Ton her schon revolutionär und entautomatisiert lit. Das jeweilige Produkt bekam durch Stop-Motion-Animationen gewissermaßen eine eigene Persönlichkeit. Die ganz besondere Note Uniqueness.

CGI killt den Stop-Motion-Star?

Viel glauben ja, seit ‚Toy Story‘, dem ersten rein am Computer animierten Film, sei alles anders. Damit schien die Ära der wirklich handgemachten Stop-Motion-Animationen ein für alle Mal auserzählt. So viel Perfektion konnte man nicht übergehen. Das Leben ließ sich mit CGI einfach viel besser, genauer und quasi lebensecht nachstellen. Glatt, sorgfältig und extrem shiny. Einfach perfekt.

Doch vor allem diese Überperfektion schien vielen Kreativen den direkten künstlerischen und kreativen Zugang zu den Filmen zu verstellen. Etwas fehlte! Nach einiger Zeit wandten sich herausragende Regisseure, die zum Teil aus der Werbebranche kamen – wie Michel Gondry, Wes Anderson oder Henry Selick –, wieder sehr erfolgreich dem Stop-Motion-Stil zu und feierten ihn laut und ausdrucksstark.

Infografik Illustration stop-motion dislike

Jan Švankmajer, die besondere Menge Inspiration für die Stop-Motion-Animation

Eine Inspiration für all diese ungewöhnlichen Regisseure war sicherlich der Underdog Jan Švankmajer, der mit seinen ungewöhnlichen Stop-Motion-Animationsfilmen seit den Achtzigerjahren eine besondere Handschrift bei seinen Collagenfilmen entwickelte. Švankmajer feiert speziell das Unperfekte und verbreitet die menschliche Note weiter. Wie das? Bei Švankmajer gibt es eben das nostalgische Gefühl des Gebastelten, des Handwerks, was Zuschauer an dieser Art der Content-Uniqueness lieben.

Welche Stop-Motion-Stile gibt es?

Pixilation ist eine Stop-Motion-Animationstechnik. Hierbei werden Menschen, aber auch Gegenstände durch den Einsatz der Einzelbildschaltung animiert.

Die Cutout-Animation ist eine Stop-Motion-Animationstechnik, die häufig für Erklär- und Lernvideos, darüber hinaus auch für Werbespots, Titel Designs oder Social-Media-Kampagnen Anwendung findet.

Die Scherenschnitt-Animation ist im Film eine Animationstechnik. Bei dieser Stop-Motion-Technik werden Figuren vor einem bemalten oder beleuchteten Hintergrund animiert.

Der Collagenfilm oder animierte Collagenfilm ähnelt entfernt dem Found Footage oder Assemblage-Film. Diese Filmtechnik wird in der Unternehmenskommunikation für Erklärvideos, Werbespots, Title Designs sowie Social-Media-Kampagnen genutzt, um ein Alleinstellungsmerkmal zu generieren.

Der Brickfilm ist eine Stop-Motion-Technik, bei der LEGO-Figuren und Bausteine verwendet werden.

Knetanimation ist eine Animationstechnik, bei der mit dauerelastischem Knetgummi oder Ton gearbeitet wird. Bei dieser kunstvollen Technik werden aus Knetgummi Figuren und Settings gestaltet. Die Figuren werden dann mit Stop Motion animiert. Sie agieren dabei in der Regel sehr ausdrucksstark, sind wandel- und formbar und nehmen unterschiedlichste Gestalt an.

Der Puppentrickfilm ist eine Stop-Motion-Animationstechnik, die sehr erfolgreich in Werbespots eingesetzt wird. Sie kann ebenso in Erklärvideos, unterschiedlichen Title Designs oder auch in Social-Media-Kampagnen genutzt werden. Der Puppentrickfilm ist hochindividuell, sehr kreativ und immer von einem ganz eigenen und einzigartigen Flair umgeben.

Die String Stop Motion ist eine sehr seltene und auch höchst ungewöhnliche Stop-Motion-Animationstechnik. Sie kann für die Produktion von Erklärvideos, Title Designs, Social-Media-Kampagnen und ebenso für unterhaltende und aufsehenerregende Werbespots genutzt werden.

Die beste Stop-Motion-Animationswerbung

Es gibt sehr viele Filme, die einzelne Stop-Animationsszenen beherbergen, wie etwa Michel Gondrys Klassiker ‚The Science of Sleep‘ aus dem Jahr 2006. Doch dann ist da auch noch die durchgängige Stop-Motionen-Werbung. Hier sind unsere aktuellen Lieblinge:

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Stop Motion für Werbespots, Erklärvideos und Imagefilme

Stop-Motion-Animationen bedeuten immer ein uniques Endprodukt, egal ob im Animationsfilm, animierten Werbespot oder Erklärvideo.

Der wohl erfolgreichste Stop-Motion-Film in der Unternehmenskommunikation ist sicherlich der Brickfilm. Dennoch ist der Einsatz von Computern bei Stop-Motion-Animationen nicht mehr wegzudenken. Erklärvideos, Explainer, aber auch Show-Opener und On-Air-Design können die Stop-Motion-Technik gut nutzen, ohne dass gleich die Produktionskosten explodieren.

Computer helfen, dass diese besondere und aufsehenerregende Technik auch für KMU preislich attraktiv bleiben. Firmen wie Sony, Nike und auch Haribo nutzen diese Technik bereits ziemlich erfolgreich. Dabei wird etwa mit digitalen Fotoapparaten in HD-Auflösung (Live-View-Modus) gearbeitet.

Mit dem Einsatz der digitalen Technik wird einerseits das handwerklich Haptische, quasi die Nostalgie, erhalten, aber die Phasen der Animationen können nun gleich am Computer überprüft werden. Und auf Änderungswünsche und Korrekturschleifen kann zeitnah und schnell reagiert werden, ohne dass alles an Einzigartigkeit verliert. Praktisch, oder?

Illustration stop-motion-badge

Stop-Motion-Animation. Bilder zum Nachdenken und Stillstehen.

Die Stop-Motion-Animation ist wahrscheinlich der älteste Trick der Filmgeschichte. Er wirkt handgemacht, unprätentiös und dadurch auch warm und nah. Das passt gut zu Werbespots, Explainern, Erklärvideos und den hunderttausend weiteren firmeninternen Kommunikationsaktionsangeboten.

Es geht bei Stop Motion nicht um die absolute hundertprozentige Nachbildung der Wirklichkeit oder Realität. Es soll ja eben sichtbar sein, dass Bilder animiert worden sind. Es geht vielmehr um die Vielfalt in der Einzigartigkeit – dass unsere Sehgewohnheiten dabei entautomatisiert werden und uns die Bilder zum Stillstehen, Nachdenken und vor allem zum Fühlen bewegen.

Die Emotionen, die uns diese Animationen vermitteln, sind vielleicht jene angenehmen, sich geborgen und zuhause zu fühlen.

Aleksandar Mijatovic Portrait Schwarz/Weiss

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Aleksandar Mijatovic

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