Der Illustrator Antonio Lopez
Slave to Life and Beauty

Antonio ist der fast vergessene Illustrator und Connector der Modeindustrie der 70er- und 80er-Jahre. Als Entdecker von Jerry Hall und Grace Jones, Mitarbeiter von Karl Lagerfeld und anderen war Antonio ein Ausnahmeillustrator. Neben seinen Arbeiten gab es nach Aussagen seiner Zeitgenossen aber auch niemanden, der sich Antonios unwiderstehlichem Charme, seinem wippenden Schnauzer, den blauschwarzen Haaren und vor allem seinem hemmungslosen Lebenshunger entziehen konnte.

Antonio Lopez hieß eigentlich gar nicht Antonio Lopez. – Kein Witz! Niemand seiner Freunde oder Auftraggeber wäre je auf die Idee gekommen, ihn so zu nennen. Lopez, wer? Alle kannten ihn nur unter ‚Antonio‘.

Brauchte man eine ganz außergewöhnliche Illustration? Frag Antonio!

Wohin geht der Trend? Such Antonio!

Wo feiern wir heute wie die Könige? Finde Antonio!

Er war der Impresario der Herzen, Bomber der Schönheit und der angesagteste Illustrator seiner Zeit – alles in einem. Dennoch war er schon kurz nach seinem Aids-Tod vergessen. Wie ist sowas möglich?

Es ist wie so häufig: Menschen, die uns Schönheit bringen, verschwinden einfach im Orkus des Nirwana. Kreaturen, die Verderben streuen, vergessen wir nie.

Fashion Dolls in Spanish Harlem

Antonio Lopez kam 1950 als zweijähriges Kind der nuyoricanischen Community nach New York.

Seine Mutter – Schneiderin, sein Vater – Schaufensterpuppen-Hersteller und Hobbyhellseher. Was sollte da bitte aus dem Kind werden? Autoverkäufer? Hot-Dog-Verkäufer? Nein, der kleine Antonio durfte seinen Eltern schon früh bei der Arbeit helfen. Nicht jedem Kind gefällt das. Viele zetern und schreien, nur um später doch genau das zu tun.

Bei Antonio war es das genaue Gegenteil. Laut eigener Aussage soll er bereits im zarten Alter von 2 Jahren mit dem Zeichnen von Kleidern auf Stoffen begonnen haben. Später knüpfte er Perücken für die Modepuppen seines Vaters und schminkte sie dann so schillernd wie die Frauen auf den Straßen von Spanish Harlem.

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Portrait Illustration des Modeillustrators Antonio Lopez mit regenbogen Farben und buntem t-shirt print Portrait Illustration des Modeillustrators Antonio Lopez mit regenbogen Farben und buntem t-shirt print

Das Talent des Illustrators

Noch während Antonio am Fashion Institute of Technology studierte, besuchte er im Rahmen seines Studienprogramms die Fachzeitschrift ‚Women’s Wear Daily‘. Die erkannte sein Talent für kühne und dynamische Illustrationen sofort und ließ ihn nicht mehr weg. Antonio „schwebte“. Einen echten Job ablehnen, um zu Ende zu studieren? Welcher Puertoricaner würde in den 50er-Jahren so wahnsinnig sein?

Der Student verließ also die Schule und wechselte dann sogar zur ‚New York Times‘, wo er sich im Anzug anschickte, die gute alte und lang verwehte Modeskizze zu völlig neuem Leben zu erwecken.

Models, die zuvor meist eine Mischung zwischen Modepuppe in Motion und gesichtslosen Körpern waren, wandelten sich unter seinem Blick, wurden lebendig, und er wiederum ließ sich von ihrer Haltung, ihrer Schönheit und ihrer Nonkonformität inspirieren.

Von ihm bekam die Mode als Dank, dass sie ihn geküsst hatte, einen starken Schuss Sexualität und Erotik, aber auch Straßenpoesie verpasst.

Die Gesichter von Jerry, Jessica und Grace

Die 60er-Jahre waren dann auch die Zeit, in der Antonio suchend durch die Straßen zog. Doch der Illustrator entdeckte nicht wirklich Neues, vielmehr war er selbst der Trend.

Antonio bewegte sich dabei inmitten von Frauen, die ungewöhnlich und tendenziell mit einem eher verrückten Charakter gesegnet waren. Mädchen, die das pralle Leben feierten und eine selbstbewusste, eigenständige Haltung vor sich her trugen, die er dann wiederum in seinen Illustrationen verehren konnte.

Die sogenannten Antonio’s Girls setzte er in Verbindung zu seinen Themen ‚Mode‘, ‚Körper‘, ‚Straße‘, ‚Afro-Futurismus‘ und ‚Musik‘ und ließ ihre starken, lebendigen Gesten in seine Illustrationen einfließen.

Er begriff dabei Models als ‚Celebritys mit Wiedererkennungswert‘. In den Zeichnungen bekamen sie menschliche Züge verliehen und er schmückte ihre Gesten mit Farben und Techniken, welche die Modewelt zuvor nicht gesehen hatte.

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Always in Love for an Illustration

Es waren Frauen, die Antonio sein Leben lang begleiten sollten. Doch es war ein Mann, der sein Temperament kanalisierte: Juan Eugene Ramos.

Manche beschreiben das Paar als Stan und Oliver, was sicher besser passt als Yin und Yang. Antonio lebte und arbeitete mit Juan Eugene Ramos zusammen, wobei Juan derjenige war, der intellektuell an die Aufgaben heranging, während Antonio vielmehr die virile Action bevorzugte.

Antonio lebte, wie es der Dokumentarfilm „Antonio Lopez 1970: Sex Fashion & Disco“ über sein Leben sagt, immer in der Zukunft. Er liebte alles Neue, was auch dazu führte, dass Künstler wie Andy Warhol, Salvador Dalí und Helmut Newton ihn bewunderten.

Dabei war Antonio ein Verführer, der zwar einen Mann liebte, aber beinahe Jerry Hall geheiratet hätte. Zudem liebte und förderte er das, was wir heute ‚Diversität‘ nennen, und zwar in einer Zeit, in der es kaum schwarze Models gab.

Hello, Paris! Hello, Antonio!

1969 zog es Antonio nach Paris, wo er seine sicherlich wichtigsten Jahre als Illustrator und kreativer Geist haben sollte. Hier war alles viel freier, mondäner, mit der Zeit verbunden, eben europäischer.

Er bekam von Karl Lagerfeld auf dem Boulevard Saint-Germain eine Wohnung gestellt, die sich schnell zum Kristallisationspunkt der künstlerischen Hautevolee und der internationalen Drop-out- und Herumtreiber-Szene dieser Jahre entwickelte.

In diesem Spannungsfeld arbeitete Antonio Lopez dann auch unermüdlich. Im Zentrum einer neugierigen Lebens- und Modeparty. Der Afro-Rock dröhnte durch das Arrondissement, während der Illustrator fieberhaft und nie nachlassend seine neuen Entwürfe und Modelle aufs Papier warf und damit bald mehr Einfluss hatte als die Modezaren selbst.

Etwas mochte ihn vielleicht kurz aufhalten, doch immer höher schwang sich der Illustrator, der nebenbei auch noch fotografierte, Bücher veröffentlichte, Partys schmiss und die Einrichtung des berühmten Studios 54 in New York mitprägte.

Um den schillernden Antonio schien in jenen Jahren wirklich alles möglich zu sein, und genau diese Hingabe an das Leben spiegeln auch seine Illustrationen wider.

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Ende der Party – zurück in die Schule!

Doch irgendwann ist jede Party mal vorbei, auch in Paris, egal wie heftig sie war.

Vielleicht war es das Alter, vielleicht war es Aids, vielleicht die damit zusammenhängende Prüderie oder der würgende Konservatismus des Thatcherismus und Reaganismus, die die 80er-Jahre dominierten.

In den letzten zehn Jahren seines Lebens ließ der immense Arbeitsdruck, der sich nicht mehr so leicht als große Leichtigkeit des Illustrierens etikettieren ließ, langsam nach.

Antonio interessierte sich für Bildung und sein Vermächtnis. Deshalb widmete er vor seinem frühen Tod einen Großteil seiner Zeit den Vorträgen und Workshops für Studenten der Modeillustration.

Vive l’illustration!

Wir haben noch weitere Insights zum Thema ‚Illustration und Modeillustration‘ verfasst. Wenn du Interesse hast, kannst du dich gern inspirieren lassen. Hier ist eine kleine Auswahl für dich:

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Oliver Lehner - Portrait

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Oliver Lehner

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