Wie wir aus Ritualen
Animationen machen

Das Wissensmagazin ‚Leschs Kosmos‘ reicht weit in die Sechzigerjahre der westdeutschen Vergangenheit. Schon damals hat der Vorgänger im ZDF den Zuschauern Wissen intelligent, seriös und vor allem faktenstark und anschaulich näher gebracht. Dass unsere Motion Designer und Illustratoren immer mal wieder für das Magazin arbeiten dürfen, freut uns natürlich. Besonders, weil wir uns in dieser Geschichte Gevatter Tod, dem großen Schnitter, stellen mussten.

Was uns in der Tiefe bewegt

Das ‚Ritual‘ war dieses Mal das Thema von ‚Leschs Kosmos‘. Damit verbindet unser Animationsstudio viele starke Momente des menschlichen Lebens: Tod, Liebe, Hass. Was ist ein Ritual und welche Auswirkungen hat es auf uns Menschen? Diese Fragen beleuchtete ‚Leschs Kosmos‘, und unsere Illustratoren konnten mehrere anschauliche Animationen beisteuern, die genau das widerspiegelten, was das menschliche Auge selten zu fassen bekommt.

Die Animationsschritte der Trauer

Für die Animationssequenz hat uns das ZDF im ersten Schritt einige Texte geschickt. Unsere Illustratoren entwickelten per Photoshop daraus Skizzen, geplante Bewegungen wurden mit Pfeilen angedeutet. Es folgten Absprachen mit dem Kunden und nach der Abnahme die Umwandlung in Illustrationen, den sogenannten Animatics. Parallel dazu bestimmte das Animationsstudio das Look-and-Feel; hierbei spielten Farben eine wichtige Rolle, da diese dem sensiblen Thema gerecht werden mussten. Der weitere Workflow verlief in After Effects.

Er wird uns für immer scheiden

Mit dem Tod verbinden die Menschen besonders starke Rituale, wenn es um die Verarbeitung der Trauer durch die Angehörigen geht. Hier zeigt das Magazin zunächst unterschiedliche Möglichkeiten, wie Menschen in anderen Ländern damit umgehen. Das führt die Geschichte schließlich in eine Kirche. Unsere Animationen sind dort angesiedelt und zeigen, wie wichtig die gemeinsame, ritualisierte Trauerarbeit für die Hinterbliebenen sein kann.

Was unser Animationsstudio zeigt

Die Zuschauer registrieren zunächst mehrere Figuren in einer Kirche, die gemeinsam in tiefer Trauer verbunden sind. Wir sehen Gefühle farbig hochsteigen und begreifen dabei, dass während der Trauer Körperlichkeit eine große Rolle spielt. Im O-Ton hören wir, welche Botenstoffe freigesetzt werden und welche physiologischen Prozesse sich im Körper abspielen. Schließlich führen uns die Animationen an eine große Kirchenorgel, ein Organist spielt. Musiknoten steigen langsam empor. Die Musiknoten schweben an den Trauernden, die vor einem offenen Sarg stehen, vorbei und färben jene rechte Gehirnhälfte blau, die besonders empfänglich für Musik ist. Ein Priester ist während der Andacht oder Predigt zu sehen. Er symbolisiert die Regelhaftigkeit, das Ritualisierte im Gottesdienst, der, wie im O-Ton zu hören, den Menschen ebenfalls Beruhigung verspricht.

Wie wir in die Tiefe gehen

Durch den Parallax-Effekt konnten die Motion Designer den Räumen und der Handlung eine Tiefe geben, die im Prinzip nicht vorhanden ist. Dazu wird die von den Zuschauern gesehene Szene geschickt in mehrere Ebenen aufgeteilt und während einer Kamerafahrt in unterschiedlichen Tempi verknüpft. Zudem wurde mit Lichteffekten und Unschärfen gearbeitet, um den Fokus auf spezielle Details zu lenken und letztendlich die Schnitte verständlich zu gestalten.

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