Animationen: Kunst und Moral – der schmerzhafte Spagat

Für die ‚aspekte‘-Redaktion erstellen wir besonders gerne Animationen – nicht nur, weil sie unserem Animationsstudio seit mehr als fünfzehn Jahren vertrauen, sondern weil die zu animierenden Themen immer eine besondere Herausforderung mit sich bringen. Sie spornen unsere Motion Designer an, in die Tiefe zu gehen, um ihre einzigartigen Animationen zu erstellen. Zudem sind die ‚aspekte‘-Redakteure interessiert an neuen Verfahren, offen für Außergewöhnliches und meist sehr humorvoll – genau wie wir. Insofern sind sie der ideale Brainstormingpartner für unser wachsendes Motion-Design-Team.
YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Youtube laden

„Caravaggio, Mark Twain, Klaus Kinski, Michael Jackson, Kevin Spacey, R. Kelly, Woody Allen, Richard Wagner. All diese Persönlichkeiten haben eines gemeinsam: Ihr Werk gehört zur künstlerischen DNA unserer Gesellschaft. Sie verbindet aber noch etwas. Diese Künstler haben sich, zumindest aus heutiger Perspektive, diskreditiert – in ganz unterschiedlicher Weise.“ // ZDF – ‚aspekte‘ // ‚Kunst und Moral‘ // Sendetermin: 24. Januar 2020

Kunst und Moral: Wer isst wen?

Eine der beständigsten Konfliktlinien zwischen der Kunst und der Gesellschaft ist die Frage nach der moralischen Integrität der Künstler. Manch einer sagt: Müssen sie nicht zwangsläufig eine moralische Deformation haben, um sie in gnadenlos einzigartige Kunst umzuwandeln? Müssen Künstler nicht saufen, huren, vergewaltigen und morden – kurz: all die verbrecherischen Dinge tun, die ein schlechter Mensch tut, um sich dem perfekten Kunstwerk zu nähern?

Oder ist es andersherum? Hat die Kunst eher einen moralischen Auftrag? Prägt sie nicht nachhaltig unsere Zukunft und muss sie demnach nicht den schlimmen Dingen entsagen und den guten Dingen huldigen?

Wenn man die Sendung anschaut, stellt sich vielleicht aber auch die Frage: Wie gut hat es eigentlich eine Gesellschaft, die sich im öffentlich-rechtlichen Rundfunk solche Fragen stellt und sie dann auch noch klug und differenziert zu diskutieren vermag?

Wie unser Animationsstudio arbeitet

Die Aufträge für die Animationen einer ‚aspekte‘-Sendung kommen manchmal recht kurzfristig rein; wir müssen dann einen ziemlich produktiven Animationssprint hinlegen. Aber hey, bisher haben wir es trotz Zeitdruck immer bis zur finalen Abgabe geschafft.

Zuerst erhalten wir einen Sprechertext, den es zu bebildern gilt. In diesem Fall enthielt er eine Liste von überwiegend männlichen Großkünstlern, die von Caravaggio, dem Meister des Chiaroscuro, bis zu Michael Jackson, dem King of Pop, reichte. Alle hatten teilweise abscheulichste Verbrechen begangen.

Wie konnte unser Animationsstudio das Verbindende nun überzeugend und spannend visualisieren?

In einem intensiven Brainstorming entwickelte sich gemeinsam mit der verantwortlichen Redakteurin der reizvolle Gedanke eines neuronalen Gedankennetzwerks, das alles verbindet. Diese dünnen Gedächtnisfäden halten Gewalttaten, Kunst und Täter wie in einem Spinnennetz zusammen.

Step by Step:
Next Level Motion Design

Das Netz wurde zunächst in Cinema 4D generiert. Das waren zunächst eher zufällig verteilte Punkte, die miteinander verbunden wurden. So hatte jeder Punkt immer auch einen Verbindungspunkt und der Animator konnte später geschickt von einem zum nächsten fahren. Die 3D-Koordinaten der Punkte wurden von einem Motion Designer unseres Animationsstudios in After Effects übertragen und dann die Bild- und Video-Animationen eingefügt.

Über dieses „Bildernetz“ wurde dann eine leichte Farbanpassung gelegt. Um die Animation im gegebenen Zeitrahmen zu erstellen, haben unsere Motion Designer verschiedene Animationen produziert, die unabhängig voneinander funktionierten.

Statt einer „Endlos-Kamerafahrt“ nutzte unser Animationsstudio animierte Kameraübergänge, um den Eindruck zu erwecken, wir würden immer zum nächsten Punkt fliegen. Durch die Schnelligkeit der Animation funktionierte das gut. Schwierig war es, das Voice-over auf der Audiospur und die Animation perfekt zu timen, weil nämlich alle Datenpunkte (3D-Kamera, 2D-Videos, Texte) immer wieder genau angepasst werden mussten.

Weitere Projekte