Ein Erklärfilm über das schönste Gefühl der Welt: die Liebe

Ein Erklärfilm aus animiertem Zeichentrick, wurde für die Sendung ‚Leschs Kosmos‘ ‚LIEBE – das Märchen von der freien Wahl‘ kreiert. In einem zweiten Erklärfilm innerhalb dieser Sendung zeigten wir mit handgezeichneten Comics und Illustrationen, worauf die Wahl unserer Partner tatsächlich zurückzuführen ist. All das auf leicht überzogene, amüsante Weise.

Das Thema der Sendung

Das große Abenteuer Liebe. Sänger, Dichter, Dramatiker, Maler – alle leben von der Liebe, der tiefsten Wertschätzung und Zuneigung, die ein Mensch einem anderen entgegenzubringen in der Lage ist.

In der Sendung ‚Leschs Kosmos‘ vom 07.06.2016 drehte sich alles rund um dieses wichtige Thema. Wen wir lieben und wen nicht. Wie das Gehirn während dieser Empfindung arbeitet, und wie man, wenn man dem Internet Glauben schenkt, eingeschlafene Liebe wieder zum Leben erweckt.

In mehreren kleinen Beiträgen wurden die verschiedenen Themeninhalte erklärt. Für zwei dieser Themen, die im Realbild nahezu unmöglich darzustellen sind, wünschte sich die Redakteure der Sendung Illustrationen und Comics.

Warum animierte Illustrationen und Zeichentrick?

Im Gegensatz zum gedrehten Film lassen sich komplexe Prozesse und Sachverhalte mithilfe von 2D-Animationen, Illustrationen und Zeichentrick schneller und verständlicher darstellen. Darüber hinaus können Produktionskosten, im Vergleich zum Realbild, als Erklärfilm sehr niedrig gehalten werden.

In diesem konkreten Fall äußerte die Redaktion den Wunsch, die 30-minütige Sendung mit zwei kurzen, humorvollen Erklärfilmen aufzulockern. Diese sollen den Sachverhalt gleichzeitig auf sehr plastische, fast schon überzogene Weise darstellen.

Weitere Beispiele für einen Erklärfilm in Zeichentrickform können sein:

  • biologische und chemische Abläufe, wie Reaktionen und Zusammenhänge,
  • technische und technologische Prozesse, wie Mechanismen und Eigenschaften,
  • Größenverhältnisse aus Physik und Astronomie,
  • historische oder prähistorische Inhalte,
  • als Auflockerung bzw. Trenner innerhalb von Text oder Realbild-Filmen.

Das Briefing der Redaktion

Für die Sendung sollten zwei verschiedene Geschichten separat entwickelt und umgesetzt werden. Der Wunsch der Redaktion war es, beide Geschichten in Form von kurzen Erklärvideos und unterschiedlichen Zeichentrick- und Animationsstilen anzufertigen.

Als grobe Inspiration und Vorlage diente der vorausgegangene Erklärfilm ‚Die Wettermacher‘. Ein Projekt, das ebenfalls für die Redaktion ‚Ein Fall für Lesch und Steffens‘ entwickelt wurde. Die Sendung ‚Die Wettermacher‘ erfreut sich bei Redakteuren und Zuschauern gleichermaßen großer Beliebtheit und wird immer wieder als Richtungsweiser genannt.

Story für Erklärfilm 1: Der Kuss. Typen der Liebe

Der Wissenschaft zufolge finden bei der Partnerwahl nur bestimmte Liebestypen zueinander. Unterschieden wird dabei zwischen vier Liebestypen: dem Gründer, dem Wegbereiter, dem Entdecker und dem Diplomaten. Unterbewusst entscheidet man sich, zu welchem dieser Typen man sich hingezogen fühlt und zu welchem nicht.

Fun Fact: Im ursprünglichen Briefing küsst die Frau in unserem Erklärvideo alle potenziellen Partner, und der Kuss entscheidet, ob diese Männer zu ihr passen. Da die Frau somit in knapp 2:00 Minuten gleich mehrere Männer küssen würde, hat man sich gegen Küsse und für einfache Begegnungen entschieden. Nicht zuletzt, damit sie nicht ins falsche Licht gerückt wird.

Story für Erklärfilm 2: Oxytocin aus der Flasche

Oxytocin gilt als Liebes- und Bindungshormon des Körpers.

Mittlerweile ist dieses Hormon auch als Nasenspray im Internet erhältlich. Die Vorstellung, seine Liebes- und Bindungsfähigkeit mit dem Gebrauch zu erhöhen, ist völlig absurd und soll entsprechend überspitzt dargestellt werden.

Storyline und Stilfindung

In enger Zusammenarbeit mit der Redaktion ging es an die Entwicklung einer Storyline. Ohne große Vorgaben konzipierte das Projektteam Aufbau und Darstellung beider Geschichten.

Mithilfe sogenannter Moods wurden zunächst grundsätzliche Parameter der Gestaltung abgeklärt. Hierfür wurden Favoriten aus unterschiedlichen, leicht voneinander abweichenden Zeichenstilen und Kolorierungen gewählt. Aufgrund der Länge der beiden Erklärvideos von jeweils knapp zwei Minuten entschied man sich für eine Kombination aus dem gewünschten Animationsstil des ‚Wettermachers‘ und 2D-animierten Illustrationen. Alle Illustrationen und Zeichentrickelemente sollten handgezeichnet und anschließend animiert werden.

Das Character-Design gestaltete sich nach Fotos zweier Darsteller, die den Zuschauer im Realbild durch die Sendung begleiten. Diese beiden Charaktere mussten zunächst in die Comic-Welt transportiert werden. Auf ihnen aufbauend wurden auch die drei weiteren Liebestypen kreiert.

Storyboard und Animatic

In einem Storyboard wurden die Ergebnisse erstmals zusammengefügt und dem Kunden präsentiert. Diese zeichnerische Version eines Drehbuchs bietet diverse Vorteile. Die geschriebene Storyline wird erstmals in Bildern umgesetzt und mit konkreter Gestaltung wie Blickwinkel und Perspektiven angereichert.

In diesem Fall handelte es sich um eine Kombination aus Fotos, Illustrationen und Informationen zu Bewegungen und Kamerafahrten. Da bei einem Storyboard noch kein fixes Ergebnis vorliegt, lässt es jederzeit Korrekturen jeglicher Art zu.

In einem Animatic wurde das bestehende Storyboard dann erstmals animiert. Als skizzenhafte Animation zeigt es den Film weit vor der eigentlichen Produktion und verschafft so einen idealen Überblick über das zu erwartende Ergebnis.

Die Vorteile eines Storyboards zusammengefasst

  • Es stellt eine erste Visualisierung eines Konzeptes dar.
  • Es bietet eine thematische Sortierung von Bildern und Beiträgen.
  • Der Auftraggeber kann überprüfen, ob er mit den Vorstellungen der Illustratoren übereinstimmt.
  • Änderungen jeglicher Art sind schnell umsetzbar, wogegen eine Änderung des fertigen Produkts deutlich zeit- und kostenintensiver wäre.
  • Es dient als Anforderungsdefinition und verbindliches Arbeitsprotokoll für alle Beteiligten.
  • Es bietet eine ideale Übersicht des Entwicklungsprozesses.
  • Eine animierte Version eines Storyboards, auch Animatic genannt, bietet die ideale Übersicht über den gesamten Ablauf.

Ergebnis und weiteres Projektbeispiel

Nach positiver Abnahme seitens der Redaktion hat man die Zeichentrick-Clips und Illustrationen in After Effects zusammengefügt und animiert. Zu guter Letzt wurde das Intro erstellt und ein Übergang von Realbild zu Comic kreiert. Auch diese Übergangsszene wurde Frame für Frame von Hand gezeichnet und im Rotoskopieverfahren animiert.

Eine vergleichbare Lösung im Stil einer Rotoskopie wurde bereits bei ‚Wetterfühligkeit‘ angewandt, einem weiteren beliebten Animationsprojekt für ‚Leschs Kosmos‘. In diesem wird der Zusammenhang zwischen Wetterumschwung und körperlichen Beschwerden erklärt und dargestellt.

Bester Überblick dank modernem Projektmanagement-Tool

Damit alle Projektbeteiligten immer auf dem aktuellsten Stand blieben, arbeitete man auch hier mit einem webbasierten Projektmanagement-Tool. Als zeitgemäßer Nachfolger der berühmten Kanban-Tafeln haben die sogenannten Boards den Vorteil, einen weltweiten Zugriff zu ermöglichen und gesamte Projektabläufe darzustellen.

‚Leschs Kosmos‘ – ZDF

Eine Sendung mit einer langen Geschichte

‚Leschs Kosmos‘ ist eine 30-minütige Wissenschaftssendung des ZDF. Das Magazin startete Mitte der 60er-Jahre unter dem Namen ‚Aus Forschung und Technik‘. Von prägenden Moderatoren wie Heinrich Schiemann und Joachim Bublath präsentiert lief die Sendung viele Jahre unter verschiedenen Namen. 2008 trat Harald Lesch in die Fußstapfen seiner Vorgänger. Seit Februar 2014 wird die Sendung unter dem Titel ‚Leschs Kosmos‘ ausgestrahlt.

Seit 2010 gibt es zudem den jährlichen Jahresrückblick ‚Erde 20xx: das Interview‘. Dort resümieren Harald Lesch und Mutter Erde (von Anka Zink gesprochen) das vergangene Jahr – aus wissenschaftlicher Sicht, versteht sich. Im selben Jahr wurde die Sendung in der Kategorie ‚Beste Information (Wissenssendung)‘ für die Goldene Kamera nominiert.

Die Person Harald Lesch

Harald Lesch ist ein deutscher Astrophysiker, Naturphilosoph, Wissenschaftsjournalist, Hochschullehrer und Fernsehmoderator. Der gebürtige Gießener ist zudem Professor für Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Außerdem ist er Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie in München. Er schreibt Bücher, bespricht seine eigenen Hörbücher und kann sich vor Preisen, Medaillen und Ehrenmitgliedschaften kaum noch retten.

Wir sehen: Mit dem Mann ist intellektuell nicht zu spaßen. Hut ab!

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